Heilpädagogische intensive soziale Gruppenarbeit HPGA


Unser Leistungsangebot in der Heilpädagogischen Gruppenarbeit HPGA erfolgt als eine heilpädagogische intensive soziale Gruppenarbeit am Nachmittag, die für Kinder, Jugendliche und deren Familien erbracht wird, die im Rahmen der Hilfen zur Erziehung auf Grundlage des § 27 Abs. 2 ff SGB VIII erfolgt.

Unser Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, bei denen eine ihrem Wohle entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist.

Auftrag/Zielsetzung

Durch die Verbindung von Alltagserleben, sozialpädagogischer Arbeit und therapeutischen Angeboten wird ein sozialpädagogisches Setting geschaffen, um jedes Kind/jeden Jugendlichen individuell zu fördern und die im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII vereinbarten Zielsetzungen zu verfolgen.

Die Zielsetzungen des Leistungsangebotes sind insbesondere:

  • Strukturierung des Alltags nach der Schule bis zum frühen Abend
  • Entwicklung von Lebens- und Zukunftsperspektiven
  • Überwinden von Fehlentwicklungen und Entwicklungsverzögerungen im Bereich physischer, kognitiver, psychosozialer und emotionaler Entwicklung
  • Mobilisierung der Ressourcen der jungen Menschen, Entfaltung der Persönlichkeit
  • Mobilisierung der Ressourcen der Familie bzw. anderer wichtiger Bezugspersonen; Förderung des familialen Umfeldes und seiner Erziehungsbedingungen durch Eltern- und Familienkontakte
  • Hilfe zur Selbsthilfe, Perspektivenplanung
  • Erhalt und Entwicklung wichtiger und förderlicher Bezüge außerhalb der Familie
  • Schulische Integration
  • Soziale Integration im Gemeinwesen

Zielgruppe/Indikation

Es werden Mädchen und Jungen ab Beginn der Schulpflicht betreut. Bei den Kindern und Jugendlichen bestehen Probleme im familiären Bereich, in der Schule und im Sozialverhalten. Sie zeigen Entwicklungsverzögerungen im kognitiven, emotionalen und sozialen Bereich und erfahren immer mehr, dass sie aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Leistungen in ihrem sozialen Umfeld ohne Hilfe nicht mehr zurechtkommen.

Wegen individueller, körperlicher Faktoren (z.B. ADHS) und schwieriger, die Entwicklung belastenden familialen Strukturen und Lebensfeldbedingungen ist es zu Fehlentwicklungen in folgenden Bereichen gekommen:

  • Leistungsbereich (schulischen Anforderungen nachkommen)
  • Verhaltensbereich
  • zu wenig entwickelte Alltagsstruktur
  • Fremd- Selbstaggressives Verhalten
  • nicht der Gesellschaft entsprechende Wertmaßstäbe
  • Gefühlsbereich

Voraussetzung für unser ambulantes Angebot ist, dass innerhalb der Familie und im sozialen Umfeld hinreichend Ressourcen und Bindungen vorhanden sind, um die Versorgung und Erziehung des Kindes/Jugendlichen außerhalb unserer ambulanten Betreuung sicherzustellen.

Leistungsangebot

Das Leistungsangebot umfasst zwei Gruppen mit insgesamt 20 Plätzen, wobei vier Plätze als sogenannte Sharingplätze gedacht sind. In der Regel sollte die Betreuung an fünf Tagen pro Woche in Anspruch genommen werden, um das Lernpotential in der Gruppe optimal nutzen zu können. Außerdem soll dadurch der Gruppenbildungsprozess unterstützt werden.

Die Sharingplätze sind für Kinder und Jugendliche gedacht, die aufgrund des Besuches einer Ganztagesschule oder Gemeinschaftsschule nicht an fünf Tagen das Betreuungsangebot der Heilpädagogischen Gruppenarbeit nutzen können. Allerdings setzen wir in solchen Fällen einen Besuch der HPGA an mindestens drei Tagen voraus, um noch genügend Einfluss nehmen zu können.

Der Umfang der Leistung bezieht sich auf insgesamt 200 Betreuungstage pro Jahr. Während der Schulzeit liegt die Betreuungszeit in der Regel bei fünf Tagen pro Woche, jeweils fünf Stunden nachmittags inklusive Mittagessen. Neben dem an allen Schultagen vorgehaltenen Angebot werden darüber hinaus 15 Betreuungstage in den Schulferien angeboten bzw. Ferienfreizeiten durchgeführt.

Strukturelle Leistungen

Um die Qualität unseres intensiven Betreuungsangebotes am Nachmittag zu gewährleisten, haben wir im Heidelberger Stadtteil Boxberg Räumlichkeiten angemietet. Die Räumlichkeiten sind sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und liegen in unmittelbarer Nähe der Waldpark-Gemeinschaftsschule.

Die großzügigen Räumlichkeiten mit 328 Quadratmetern sind von uns langfristig angemietet. Die Wohnung ist so aufgeteilt, dass es eine Küche mit einem gemeinsamen Speiseraum gibt. Für die schulische Begleitung der Kinder stehen mehrere Räume zur Verfügung. Außerdem gibt es die Möglichkeit, PC-Arbeitsplätze zu nutzen. Die Toiletten und sanitären Räume sind geschlechterspezifisch getrennt.

Für beide Gruppen sind getrennte Gruppenräume vorhanden. Zusätzlich gibt es Räume zum Basteln und Matschen sowie für heilpädagogische Übungsbehandlungen und Ergotherapiesitzungen. Es ist ein ausgewogenes Materialangebot zur individuellen Förderung der Kinder/Jugendlichen vorhanden, vom einfachen Bastelmaterial bis hin zu therapeutischen Puppen.

Zur Grundversorgung wird den Kindern und Jugendlichen täglich ein ausgewogenes Mittagessen zur Verfügung gestellt. Dabei wird Rücksicht auf gesundheitliche und religiöse Ernährungsweisen genommen. Am Nachmittag erhalten die Kinder und Jugendlichen noch einen Snack.

Schlüsselfaktoren unseres pädagogischen Handelns sind Empathie und Kontinuität ebenso wie Kongruenz, Konsequenz und die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Um diese Qualitätsansprüche zu garantieren, findet eine enge Begleitung der Betreuungskräfte durch die Bereichsleitung statt. Die wöchentliche Reflexion der Arbeit (Teambesprechungen) und regelmäßige Supervision sind selbstverständlich.

Sozialpädagogische Leistungen

Die Kinder und Jugendlichen sollen sich je nach Veranlagung und Begabung entfalten können, um möglichst eine gute Beziehung zu

  • sich selbst (Ich-Kompetenz),
  • anderen Personen (Sozialkompetenz),
  • Sach- und Umwelt (Sachkompetenz),
  • ideellen Werten (Sinnkompetenz),

zu erreichen.

Die Kinder/Jugendlichen sollen damit einen respektvollen Umgang miteinander erfahren und erwerben:

  • Kind gegenüber Kind
  • Erwachsener gegenüber Kind
  • Kind gegenüber Erwachsenem

Folgende sozialpädagogische Leistungen können im Rahmen der Heilpädagogischen intensiven sozialen Gruppenarbeit von uns erbracht werden:

  • Initiieren und Stabilisieren einer altersentsprechenden Persönlichkeitsentwicklung (Ich-Stärkung)
  • Identitätsbildung
  • Aufbau von Beziehungsfähigkeit
  • Entwickeln konstruktiver Konfliktlösungsstrategien und Umgang mit Frustration
  • Selbständigkeit fördern, z.B. im praktischen Handeln; Körperhygiene; Sinn entwickeln für das unmittelbare Lebensumfeld (Gestalten, Ordnung, Säubern); eigenes Äußeres (Kleidung, Frisur); Verantwortung für die eigene Entwicklung übernehmen (Teilhabe und Beteiligung)
  • Soziales Verhalten lernen (Gruppe als Übungsfeld; spezielles soziales Training zum Einüben sozialer Wahrnehmung und sozialer Fertigkeiten; regelmäßige Gruppengespräche)
  • Ausbilden von Wertmaßstäben (bzgl. Eigentumsbegriff; Gestaltung von Konflikten; Respekt und Achtung zu sich selbst und zum Gegenüber)
  • Förderung im sportlichen, musischen und praktisch-handwerklichen sowie im hauswirtschaftlichen Bereich
  • Entwicklung von Alltagsstrukturen durch geregelte Gestaltung des Alltags in der Gruppe
  • Durchführen von heilpädagogischen Übungshandlungen sowie Heilpädagogischer Spieltherapie, einzeln und in Kleingruppen, zur intensivierten Bearbeitung von Fehlentwicklungen im sozialen und emotionalen Bereich
  • Eingehen auf alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede im Förderbedarf
  • Gestaltung von Freizeit-, Sport- und Spielangebote, Geburtstage, Jahresfeste, erlebnispädagogische Angebot
  • Bearbeitung familialer (Beziehungs-)Strukturen und damit Eröffnen von Entwicklungsräumen insbesondere für ältere Jugendliche hin zur altersentsprechenden Verselbständigung

Schulische Begleitung und Förderung

Das Erreichen schulischen Erfolgs muss ein Ziel der Hilfe sein. Er ist wichtig für eine gesellschaftliche Integration und das Gestalten eines eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Lebens.

Wichtig ist er auch deswegen, weil Erfolge im Leistungsbereich zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls von Kind und Jugendlichem führen.

Elemente in diesem Feld der Hilfe sind:

  • Begleitung und Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben und beim Lernen
  • Achten auf vollständige Arbeitsmaterialien
  • Förderung der schulischen Entwicklung
  • Bearbeitung von (migrationsbedingten) Rückständen bei schulischen Anforderungen
  • fallunabhängige Kontakte zu Lehrerinnen und Lehrern
  • regelmäßiger (fallbezogener) Austausch mit KlassenlehrerInnen

Zusammenarbeit, Kontakte

Die Zusammenarbeit findet mit folgenden Personen/Institutionen statt:

  • Zusammenarbeit mit Eltern/Familien/Sorgeberechtigten mit folgenden Schwerpunkten:
    • Kontaktpflege und situationsabhängige Alltagskontakte zum Informations- und Erfahrungsaustausch
    • Bei krisenhaften Entwicklungen Gespräche mit Eltern und Bezugspersonen in der Einrichtung
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendamt im Rahmen des Hilfeplanverfahrens
  • Vernetzung im Lebensfeld
  • Ressourcen der Stadtteile Boxberg und Emmertsgrund in den Betreuungsprozess mit einbauen (Schulen, Schulsozialarbeit, Sportsozialpäd. Angebote an der Schule, Jugendtreffs „Harlem“ und „Holzwurm“, Sport- und sonstige Vereine usw.) und des Leistungssystems des SGB V (z.B. Ergotherapie).

Individuelle Zusatzleistungen

Individuelle Zusatzleistungen, sofern sie nicht in unserem Regelangebot enthalten sind, können im Rahmen der Hilfeplanung im Einzelfall vereinbart werden. Dies kann z.B. eine zusätzliche intensive sozialpädagogische Betreuung des Kindes/Jugendlichen in einer Eins-zu-eins-Situation sein, oder es findet bei Bedarf eine intensivere Elternarbeit statt.

Über unsere Aufsuchende Familientherapie wäre auch eine therapeutische Begleitung der Eltern möglich.

Der zeitliche Umfang der individuellen Zusatzleistungen ist im Rahmen der Hilfeplanung zu definieren. Sie werden über unsere Fachleistungsstunde entgeltet.

Verfahrensweisen zur Sicherung der Rechte der Kinder und Jugendlichen

Jedes Kind/jeder Jugendliche und seine Familie werden schon im Kennenlerngespräch über bestehende Regeln in der Einrichtung und über Beteiligungsmöglichkeiten in der Hilfegestaltung informiert. Außerdem erfolgt eine ausführliche Erklärung des Beschwerdeverfahrens im Friedrichstift.

Nach Hilfebeginn informieren die BetreuerInnen das Kind/den Jugendlichen über seine Rechte und wie er sich mit seinen Wünschen und Bedürfnissen einbringen kann.

Das Personal

Entsprechend den fachlichen Anforderungen (selbständiges Arbeiten, hohe Belastbarkeit, hohe Flexibilität, Methodenvielfalt) wird ausschließlich sozialpädagogisches Fachpersonal eingesetzt (Heilpädagogen, Jugend- und Heimerzieher, Heilpädagogen, Dipl.-Soz.Päd., Dipl.-Soz.Arb.) Sie werden als Autoritäten anerkannt, ihre Kompetenzen liegen in einer professionellen Beziehungsarbeit, in der bewusst mit Nähe und Distanz umgegangen wird.

Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung

Die in der Qualitätsentwicklungsvereinbarung mit dem Friedrichstift festgelegten Qualitätsgrundsätze und Regelungen der für die Zusammenarbeit wesentlichen Schlüsselprozesse gelten ebenso für das Leistungsangebot der Heilpädagogischen intensiven sozialen Gruppenarbeit. Diese beziehen sich auf

  • die Durchführung des Aufnahme- und Hilfeplanverfahrens sowie die Hilfebeendigung,
  • Regelungen zur Kommunikation, Zusammenarbeit und zum Beschwerdewesen bei Konflikten zwischen Jugendamt und Einrichtung,
  • die Regelungen zur Partizipation und zum Beschwerdewesen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen,
  • den gemeinsamen Schutzauftrag gemäß § 8a SGB VIII und
  • die Regelungen hinsichtlich der Qualifikation und persönlichen Eignung der eingesetzten Fachkräfte gemäß § 72 und d 72a SGB VIII.

Leistungsentgelt

Alle Arbeitsfelder im Überblick