Aufsuchende Familientherapie AFT


Die Aufsuchende Familientherapie (AFT) ist ein niederschwelliges familientherapeutisches Angebot, das im Rahmen der Hilfen zur Erziehung auf Grundlage des § 27 Absatz 3 SGB VIII erfolgt.

Die Aufsuchende Familientherapie wird von unserer Mitarbeiterin, Frau Mediha Kurt, durchgeführt. Frau Kurt ist seit sechs Jahren Mitarbeiterin im Friedrichstift und hat eine Zusatzausbildung als systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin & systemische Beraterin und ist zertifiziert bei der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg durch die IGST (Internationale Gesellschaft für systemische Therapie e.V., Heidelberg).

Auftrag/Zielsetzung

Die vielfältigen, sich abwechselnden und überlagernden Krisen führen bei vielen Familien zu einer dauerhaften Überforderung des gesamten Familiensystems. Eltern können ihre elterliche Autorität nur noch ungenügend oder gar nicht mehr wahrnehmen, ihre Kinder zeigen eine Zunahme an Verhaltensauffälligkeiten. Die Spirale der negativen Eskalation soll durch die AFT durchbrochen werden.

Zentraler Ansatzpunkt unserer Aufsuchenden Familientherapie ist es, die Familie zu unterstützen, ihre eigenen Ressourcen und Fähigkeiten zu sehen und mehr zu nutzen. Im Rahmen der AFT wird konkret daran gearbeitet, destabilisierende Kommunikations- und Verhaltensmuster innerhalb der Familie und an deren Anschlussstellen zu anderen Systemen mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen zu verändern und zu erweitern. Außer auf die Ressourcenaktivierung zielen die familientherapeutischen Interventionen darauf ab,

  • neue Sichtweisen bei einzelnen Familienmitgliedern herbeizuführen, so dass aufgrund neuer Haltungen und Betrachtungsweisen auch konstruktivere Problemlösungsmuster und Handlungen entwickelt werden,
  • das Agieren über Eskalation von Symptomen und Konflikten überflüssig zu machen,
  • mögliche zukünftige Hilfen in einer eigenständigeren Form einzufordern und
  • die Familie zu befähigen, zukünftige Probleme mit den üblichen Ressourcen zu bewältigen.

Eine weitere Zielsetzung ist, eine drohende Fremdunterbringung von Kindern zu verhindern.

Methoden der Aufsuchenden Familientherapie

Im Rahmen unseres Konzeptes arbeiten wir mit unterschiedlichen systemischen Methoden und Interventionen.

Zu diesen Methoden gehören z.B.:

  • Systemische Fragetechniken wie zirkuläres und hypothetisches Fragen
  • Hypothesenbildungen
  • Verschiedene Arten von Aufstellungen
  • Rollenspiele
  • Genogrammarbeit
  • Familienrekonstruktionen
  • Arbeit mit der Mehrgenerationenfamilie
  • Bildliche Darstellungen
  • Skalierungsübungen
  • Externalisierung
  • Einführung von Ritualen
  • Arbeiten mit Hausaufgaben
  • etc.

Allen erwähnten Methoden ist eigen, dass sie nicht defizitorientiert sind, Raum für die therapeutische Einführung von Leichtigkeit und Spaß schaffen und damit ein Gegengewicht zu familiärer Belastung und Hoffnungslosigkeit bilden.

Indikation

Unser Angebot der AFT kann sowohl zur Prävention bei drohender Problemeskalation als auch in akuten Eskalationssituationen eingesetzt werden. Die AFT zeigt sich weiter geeignet bei deutlichen Erziehungsproblemen bzw. Situationen elterlicher Überforderung oder Alkohol- und Drogenmissbrauch der Eltern. Auch beim Thema Kindeswohlgefährdung bieten wir eine uns als Interventionsmöglichkeit mit dem obersten Ziel, diese zu verhindern.

Unser Angebot hat als Hauptzielgruppe Familien mit Migrationshintergrund. Unsere Therapeutin ist Türkin und hat eigene Migrationserfahrungen. Aufgrund ihrer hervorragenden Sprachkenntnisse (deutsch wie türkisch) kann sie leichter den therapeutischen Kontakt zu den Migrationseltern herstellen als Therapeuten ohne diesen besonderen kulturellen Hintergrund. Aber auch Familien ohne Migrationshintergrund können von uns therapeutisch begleitet werden. Das gilt insbesondere für Familien, die bereits mit anderen Hilfeformen über längere Zeit Erfahrungen gesammelt haben, diese Hilfen aber nicht wirklich zu einer Veränderung bzw. Problemlösung nutzen konnten, sodass sich Muster ständig wiederkehrender Krisen beharrlich hält.

Familientherapie ist ratsam:

  • bei chronischen Partnerschafts- und Ehekonflikten
  • wenn länger andauernde Erziehungsprobleme auftreten
  • bei gestörter oder fehlender Kommunikation (Aggression, Rückzug)
  • bei akuten Lebens-/Beziehungskrisen
  • bei Unzufriedenheit, Resignation und unlösbaren Spannungen
  • bei Verhaltensauffälligkeiten
  • bei psychischen oder chronischen Erkrankungen der Familie
  • wenn es zu Gewalt innerhalb der Familie kommt
  • bei sexuellem Missbrauch (bzw. bei Verdacht darauf)
  • wenn es Alkohol- oder Drogenprobleme gibt
  • in Multi-Problem-Familien
  • bei Schicksalsschlägen (Unfall, Tod, schwere Krankheiten, Trennung, Scheidung)
  • bei oder nach traumatischen Ereignissen bzw. Erlebnissen
  • Pubertäts- bzw. Ablöseschwierigkeiten
  • bei drohender Fremdunterbringung
  • bei Integration in die Familie nach Fremdunterbringung

Das Setting

Das Setting wird durch das häusliche Umfeld der Familie bestimmt, Therapie findet in der Lebenswelt der Klienten statt.
Ist es für den Therapieprozess von Vorteil, können die Therapiesitzungen auch in den folgenden geeigneten Räumlichkeiten des Friedrichstifts stattfinden:

Stammhaus Friedrichstift, Badener Platz 469181 Leimen
ISE-Whg. Wiesloch, Adelsförsterpfad 569168 Wiesloch
ISE-Whg. Heidelberg, Sofienstr. 2369115 Heidelberg
HPGA, Boxbergring 9 69126 Heidelberg/Boxberg

Der Zeitrahmen

Die für eine Therapie vorgesehene Zeitstruktur ist vom Hilfebedarf abhängig und wird im Hilfeplangespräch mit den Klienten und den zuständigen ASD-Mitarbeitern des Jugendamtes festgelegt. Allgemein ist zu sagen, dass die Kontakte mit einer geringen Frequenz erfolgen.

Die Sitzungen haben in der Regel einen Zeitrahmen von 60 bis 90 Minuten und die Termine hierfür werden individuell vereinbart. Vor Beginn der Hilfe wird im Hilfeplan eine maximale Zahl an Therapiesitzungen pro Monat festgelegt (üblicherweise zwischen zwei und vier Sitzungen).

Das Therapieangebot ist grundsätzlich immer auf eine überschaubare Zeit von sechs bis zwölf Monaten angelegt, wobei die letzte Zeit als Nachsorgephase angesehen wird, in der nur sehr begrenzte Kontakte angeboten werden.

Die zeitliche Befristung der Therapie soll dazu führen, dass eine hohe Intensität im Prozess entsteht. Außerdem trägt der klare zeitliche Rahmen zur Steigerung der Verbindlichkeit sowohl bei der Therapeutin als auch bei den Familien bei.

Leistungsentgelt

Alle Arbeitsfelder im Überblick